Equal Pay - Gleicher Lohn für gleiche Arbeit

Entgeltgleichheit von Frauen

Frauen bekommen noch immer nicht, was sie verdienen - ihr Durchschnittseinkommen liegt in Deutschland 22 Prozent niedriger als dasjenige der Männer. Dabei werden Tarifverträge für beide Geschlechter exakt gleich abgeschlossen - auf den Cent genau. Warum es trotzdem eine große Lücke gibt - und was Betriebsräte tun können.

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) nimmt kein Blatt vor den Mund: »Insgesamt fehlt in Deutschland vielerorts ein qualitativ hochwertiges und erschwingliches Betreuungsangebot«, lässt sich da in ihrer jüngsten Veröffentlichung zu den Ursachen der ungleichen Entlohnung von Männern und Frauen lesen. Das sei der Hauptgrund, weshalb Frauen mehrheitlich auf Teilzeitbasis arbeiten, um Beruf und Familie unter einen Hut zu bekommen.

In Zahlen: In Deutschland sind 62 Prozent der Frauen zwischen 25 und 54 Jahren in Teilzeit beschäftigt, in Frankreich nur 26 Prozent. Diese Beschäftigungsform aber geht auf Kosten langfristiger Karriere-, Verdienst- und Rentenaussichten: Während im Durchschnitt der in der OECD vertretenen 34 Mitgliedsländer (überwiegend Industriestaaten) Frauen 16 Prozent weniger verdienen als Männer, liegt die Zahl für Deutschland bei 22 Prozent. Dabei sei alleine die »Teilzeit-Falle« die Ursache für mehr als die Hälfte des Einkommensunterschieds zwischen den Geschlechtern, so die Leiterin der OECD-Abteilung für Sozialpolitik, Monika Queisser.

Die Ungleichbehandlung beschränkt sich längst nicht nur auf die monatlichen Entgeltzahlungen, wie eine Umfrage des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts in der Hans-Böckler-Stiftung (WSI) ermittelt hat. 2012 haben unter www.frauenlohnspiegel.de rund 16 000 Personen einen Online-Fragebogen ausgefüllt – darunter gut 5600 Frauen. Das Ergebnis: Frauen werden auch bei Sonderzahlungen, Weiterbildung und der Entwicklung zur Führungskraft benachteiligt – und zwar »über die große Mehrzahl der Berufe« hinweg, so das WSI.

Beispiel Urlaubsgeld: Während es gut 50 Prozent der Männer erhalten, bekommen es nur 39 Prozent der befragten Frauen ausbezahlt. Für die OECD ist deshalb der Fall klar: Damit nicht mehr nur die Frauen die privaten »Lasten« tragen müssen, sollen Mütter bezahlten Mutterschaftsurlaub erhalten. Weiter verlangt die OECD, dass einen Teil des Elternurlaubs nur die Väter nutzen können. Zugegeben: Zwei Forderungen an Politik und Gesellschaft, die es in sich haben. Und deren kurz- bis mittelfristige Realisation fragwürdig ist.

Fest steht aber schon heute: Ohne starke Gewerkschaften und Betriebsräte geht es den Menschen schlechter. Besonders benachteiligt sind in solchen Betrieben die Frauen. »Das hat wenig mit fairen Löhnen, aber viel mit nackter Ausbeutung zu tun«, sagt Peter Hausmann, der in der IG BCE die Tarifpolitik verantwortet. Die Gewerkschaft hält dagegen. »Wir streiten für den Grundsatz ›Gleiches Geld für gleiche Arbeit‹. Unsere Tarifverträge kennen keine Unterschiede zwischen einer Laborantin und einem Laboranten. Beide bekommen den gleichen Betrag ausgezahlt. Auf den Cent«, so Hausmann.

Dennoch komme es auch in tarifgebunden Betrieben zu Entgeltungleichheiten. Auch hier sei das Teilzeit-Problem Dreh- und Angelpunkt. Zwar habe die IG BCE vielfältige Rahmenregelungen auf den Weg gebracht, um Frauen die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu erleichtern – und so wieder verstärkt Vollzeit arbeiten zu können. »Diese müssen die Unternehmen aber mit Leben füllen«, so Hausmann.

Gabriele Eisinger, Betriebsratsvorsitzende bei Salutas Pharma im schwäbischen Gerlingen, dreht vor allem an zwei Stellschrauben: Die permanente Kontrolle von Gehaltslisten und Gehaltsgefüge sowie der Abschluss wegweisender Betriebsvereinbarungen. »Wir scheuen uns nicht, eine Neueinstellung zu genehmigen, gleichzeitig aber der vorgesehenen Eingruppierung zu widersprechen«, so die 48-Jährige. Eine unterschiedliche Entlohnung vergleichbarer Tätigkeiten sei mit ihr nicht zu machen. »Wer das nicht aktiv beim Arbeitgeber anspricht, der öffnet Tür und Tor für ein Lohnsystem nach Gutdünken und damit Entgeltungleichheiten.«

Betriebsvereinbarungen, die den Beschäftigten eine bessere Balance zwischen Arbeit und Familie ermöglichen, hat der Salutas-Betriebsrat ausgehandelt. Wo es unter Berücksichtigung betrieblicher Belange geht, können Beschäftigte ihre 37,5 Wochenstunden zwischen Montag und Samstag, 6:00–20:00 Uhr, frei einteilen. Zudem existieren derzeit zwölf Home-Office-Verträge. »Dass bislang ausschließlich Frauen diese in Anspruch genommen haben, zeigt die Notwendigkeit solcher Arbeitsmodelle«, sagt Eisinger.

Eine weitere Möglichkeit zu handeln: Der Aufsichtsrat. Helga Landgraf, Betriebsrätin bei Sanofi-Aventis, war das Thema »Equal Pay« so wichtig, dass ihre Kollegen es im Mitbestimmungsgremium thematisiert haben. Jetzt analysiert ganz offiziell ein eigenes Projektteam das Thema Entgelt

Das sollten aber auch Betriebsräte, deren Unternehmen nicht über Aufsichtsräte verfügen, tun. Das Bundesfamilienministerium stellt unter www.logib-d.de (Lohngleichheit im Betrieb – Deutschland) ein kostenloses Analyse-Tool bereit, das Ursachen von Entgeltungleichheit identifiziert und betriebliche Lösungen für faire Bezahlung entwickeln kann. Das Programm ist einfach zu nutzen, ermöglicht eine detaillierte und zugleich datenschutzrechtlich einwandfreie Erfassung der Entgeltdaten und liefert umfangreiche Informationen zur geschlechtsspezifischen Entgeltungleichheit.

»Unter anderem im Logib-D-Beirat setzen wir uns dafür ein, dass Unternehmen dieses Instrument in ihrem Betrieb erproben und entsprechende Analysen durchführen. Dabei wird deutlich, dass unterbrochene Erwerbsbiografien häufig eine Ursache für das Entgeltgefälle sind«, sagt Edeltraud Glänzer, Mitglied des geschäftsführenden Hauptvorstands der IG BCE. »Hier muss die Politik noch viel stärker gegensteuern. Zum Beispiel mit dem Ausbau der Kinderbetreuung für Kinder unter drei Jahren. Wir fordern, dass der Staat ausreichend Mittel in eine quantitativ und qualitativ hochwertige Kinderbetreuung investiert, statt in ein unnützes und unwirksames Betreuungsgeld«, so Glänzer.

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