Tarifrunde Chemie

Deine Arbeit ist MehrWert

Die Ergebnisse der Chemie-Tarifrunde stehen fest: Die Entgelte und Ausbildungsvergütungen steigen um 3,0 Prozent, nach 13 Monaten erfolgt eine weitere Erhöhung um 2,3 Prozent. IG BCE und Chemie-Arbeitgeber haben außerdem das Vertragswerk "Zukunft durch Ausbildung und Berufseinstieg" weiterentwickelt und ausgebaut.

Jeschke / IG BCE

Chemie-Tarifrunde 2016: Das WIR braucht DICH Chemie-Tarifrunde 2016: Das WIR braucht DICH
30.06.2016
  • Von: Michael Denecke

"Deine Arbeit ist MehrWert" – unter diesem Motto stand die Chemie- Tarifrunde 2016. Herausgekommen ist schließlich eine zweistufige Erhöhung der Entgelte um 3,0 und 2,3 Prozent, also satte 5,3 Prozent unter dem Strich. "Das ist", so IG-BCE-Verhandlungsführer Peter Hausmann, "ein guter Kompromiss. Das Ergebnis entspricht der Lage in der chemischen Industrie. Die Prozentzahlen können sich auch im Branchenvergleich sehen lassen."

Seit 2005 stieg das Entgeltniveau um 38,4 Prozent, die Inflationsrate zog im selben Zeitraum dagegen nur um knapp 18 Prozent an. Die IG BCE sorgt für kräftige, reale Einkommenserhöhungen, es gilt: "Deine Arbeit ist Mehrwert."

Der Abschluss 2016 fiel nicht vom Himmel. Viele Aktionen vor Ort stützten die Argumente am Verhandlungstisch. Dennoch dauerte es neun regionale und zwei Runden auf Bundesebene bis zum Durchbruch.

Ganz am Ende legten IG BCE und Arbeitgeberverband in Lahnstein noch einen zweitägigen Gesprächsmarathon hin, ehe die Unterschriften gesetzt werden konnten. Das Städtchen in Rheinland-Pfalz scheint ein guter Ort für Tarifverhandlungen zu sein. Schon häufig erzielte die IG BCE hier bemerkenswerte Ergebnisse. Diese gute Tradition schreibt der Abschluss im Jahr 2016 fort. Denn neben der Entgeltsteigerung ist es gelungen, das Vertragswerk "Zukunft durch Ausbildung und Berufseinstieg" (ZAuBer) weiterzuentwickeln und auszubauen. Das neu aufgelegte "Pre-Start"-Programm verbessert die Chancen junger Menschen auf dem Arbeitsmarkt.

Gewerkschaft und Arbeitgeber wollen das erreichte hohe Ausbildungsniveau auch künftig beibehalten. Vor dem Hintergrund rückläufiger Schulabgängerzahlen ist klar, dass zusätzliche Anstrengungen erforderlich sind. In den beiden vergangenen Jahren wurden jeweils über 90 Prozent der Ausgelernten übernommen. Davon erhielten 38,8 Prozent (2014) und 45,2 Prozent (2015) unbefristete Verträge. Der Trend weist in die richtige Richtung, die IG BCE hält fest an dem Ziel, dass die unbefristete Übernahme zum Normalfall werden muss. Das Tarifabkommen "ZAuBer" gehört zu den Markenzeichen gewerkschaftlicher Tarifpolitik.

In immer mehr Branchen lässt die sogenannte Tarifbindung nach. Unternehmen treten aus den Arbeitgeberverbänden aus, über 40 Prozent der Beschäftigten arbeiten ohne Tarifvertrag. In der chemischen Industrie dagegen herrscht eine ausgesprochen hohe Tarifverbindung – und "die gewährleistet, dass die Entgelterhöhungen auch bei allen ankommen", stellt der IG-BCE-Vorsitzende Michael Vassiliadis fest. "So haben alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer teil am wirtschaftlichen Erfolg der Branche."

Auf einen Blick

Die Entgelte und Ausbildungsvergütungen steigen um 3,0 Prozent, nach 13 Monaten erfolgt eine weitere Erhöhung um 2,3 Prozent.

Die Laufzeiten der Chemie-Verträge beginnen regional unterschiedlich. In den Tarifbezirken Nordrhein, Rheinland-Pfalz und Hessen erfolgt die Erhöhung zum 1. August; Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Bremen, Hamburg, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Westfalen folgen zum 1. September; Saarland und Nordost zum 1. Oktober.

Die Gesamtlaufzeit beträgt 24 Monate.

Für Betriebe in wirtschaftlichen Schwierigkeiten gelten Sonderregelungen.
Hier ist eine Verschiebung der Entgelterhöhungen jeweils um maximal zwei
Monate möglich.

IG BCE und Chemie-Arbeitgeber haben das Vertragswerk »Zukunft durch Ausbildung und Berufseinstieg« weiterentwickelt und ausgebaut. Unter dem Titel »Pre-Start« legen Gewerkschaft und Chemie-Arbeitgeber ein neues Projekt zur Integration junger Menschen in die Arbeitswelt auf.

Zielgruppe sind Jugendliche mit erheblichen sprachlichen oder schulischen
Defiziten. Sie werden in mehrmonatigen Kursen für eine Teilnahme an den bereits laufenden »Start«-Programmen vorbereitet. Hier werden junge Menschen gefördert, denen Voraussetzungen für eine Berufsausbildung fehlen. Konkret geht es um eine einjährige berufspraktische Vorbereitung. Für »Pre-Start« sind eine Million Euro
bereitgestellt.

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