IG BCE aktuell 4-2018

Tarifrunde Chemie: „Weil du es wert bist!“

Eine Lohnerhöhung von sechs Prozent, ein kräftiges Plus beim zusätzlichen Urlaubsgeld und eine zukunftsorientierte Weiterentwicklung der Arbeitsbedingungen empfiehlt der Hauptvorstand der IG BCE für die kommenden Tarifverhandlungen in der chemischen Industrie.

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„Weil du es wert bist!“ – unter diesem Motto stellte der IG-BCE-Verhandlungsführer, Ralf Sikorski, die Details des Forderungspakets am Donnerstag in Hannover vor. Die Tarifrunde für die 580.000 Beschäftigten der chemisch-pharmazeutischen Industrie startet Mitte Juni dieses Jahres.

„Die Auslastung der Anlagen liegt auf Rekordniveau“, sagte Sikorski. „Die Beschäftigten sind es wert, dass ihre Leistung gewürdigt wird - nicht nur mit lobenden Worten, sondern auch in Euro und Cent.“ Angesichts einer hervorragenden wirtschaftlichen Lage in der Branche sei die Forderungsempfehlung absolut angemessen, so Sikorski. Produktion, Umsatz und Profite waren in der Branche bereits im vergangenen Jahr deutlich gestiegen, für 2018 wird mit weiteren Zuwächsen gerechnet. In einer aktuellen Betriebsräteumfrage der IG BCE berichten acht von zehn Befragten von einer guten bis sehr guten wirtschaftlichen Lage ihres Betriebs.

Die Forderungsempfehlung sieht eine Erhöhung der Entgelte und Ausbildungsvergütungen um sechs Prozent bei einer Laufzeit von einem Jahr vor. Kai-Uwe Hemmerich, Betriebsratsvorsitzender bei Clariant betonte: „Das vergangene Jahr war sehr geprägt vom guten Umsatz in den Betrieben. Die Auslastung und Arbeitsbelastung in den Betrieben, in den Laboren und in der kaufmännischen Abteilung war sehr hoch. Das Jahr steckt den Mitarbeitern noch in den Knochen. Und sie sind nun angefressen, dass sich die Aktionäre elf Prozent mehr Dividende gegönnt haben. Deshalb sind sechs Prozent für uns mehr als gerechtfertigt.“

Stefan Koch

Kai-Uwe Hemmerich, Betriebsratsvorsitzender bei Clariant „Das Jahr steckt den Mitarbeitern noch in den Knochen. Und sie sind nun angefressen, dass sich die Aktionäre elf Prozent mehr Dividende gegönnt haben. Deshalb sind sechs Prozent für uns mehr als gerechtfertigt.“, sagte Kai-Uwe Hemmerich, Betriebsratsvorsitzender bei Clariant.

Angesichts steigender Arbeitsbelastungen, rasant wachsender technologischer Veränderungen und dem verstärkten Wunsch der Beschäftigten nach mehr Zeitsouveränität will die IG BCE Arbeitsbedingungen und Arbeitszeitsysteme verbessern. Die Beschäftigten sollen stärker selbst entscheiden können, wann und wie sie welche Aufgaben bearbeiten – auch unter Berücksichtigung unterschiedlicher Lebensphasen. „Es gibt immer mehr Veränderungsprozesse, die uns tagtäglich begegnen. Und von den Kolleginnen und Kollegen wird hohe Flexibilität verlangt. Diese Flexibilität wünschen wir uns auch von den Arbeitgebern“, sagte Marianne Maehl, stellvertretende Betriebsratsvorsitzende bei Bayer.

Stefan Koch

Marianne Maehl, Betriebsrätin bei Bayer "Es gibt immer mehr Veränderungsprozesse, die uns tagtäglich begegnen. Und von den Kolleginnen und Kollegen wird hohe Flexibilität verlangt. Diese Flexibilität wünschen wir uns auch von den Arbeitgebern“, sagte Marianne Maehl, stellvertretende Betriebsratsvorsitzende bei Bayer.

 „Der digitale Wandel ist eine der größten industrie- und tarifpolitischen Herausforderungen unserer Zeit“, erklärt Sikorski. „Wer die Menschen bei Veränderungsprozessen mitnehmen will, muss deutlich machen, dass dies auch eine Chance ist, bessere Arbeitsbedingungen zu schaffen. Neue Technologien können nicht nur effizienzsteigernd sein, sondern auch arbeitsentlastend wirken.“

Ein weiterer wichtiger Bestandteil ist die Anhebung des zusätzlichen Urlaubsgelds von derzeit 20,45 Euro auf 40 Euro pro Urlaubstag für Vollzeitbeschäftigte und von derzeit 449,94 Euro auf 900 Euro jährlich für Auszubildende. Mit dieser für alle Tarifgruppen einheitlichen Aufstockung „setzen wir ein Zeichen für weitere soziale Komponenten in der Tarifpolitik“, sagte Ralf Sikorski, der im geschäftsführenden Hauptvorstand der IG BCE für die Tarifpolitik verantwortlich ist. Von der Steigerung würden Beschäftigte in unteren Entgeltgruppen und Auszubildende überdurchschnittlich profitieren.

„Die deutliche Urlaubsgelderhöhung kommt im Betrieb mit Sicherheit sehr gut an. Denn es hilft gerade den unteren Einkommensgruppen, wenn mehr  Geld in die Urlaubskasse gespült wird“, sagte Katja Marx, Betriebsratsvorsitzende bei Zschimmer & Schwarz.

Christian Burkert

atja Marx, Betriebsratsvorsitzende bei Zschimmer & Schwar „Die deutliche Urlaubsgelderhöhung kommt im Betrieb mit Sicherheit sehr gut an. Denn es hilft gerade den unteren Einkommensgruppen, wenn mehr  Geld in die Urlaubskasse gespült wird“, sagte Katja Marx, Betriebsratsvorsitzende bei Zschimmer & Schwarz.

Die Forderungsempfehlung des Hauptvorstands ist die Basis für die nun folgenden Diskussionen in den Vertrauensleutegremien und Tarifkommissionen der IG BCE. Mitte Juni beschließt die Bundestarifkommission die endgültigen Forderungen, wenig später starten die Gespräche zwischen IG BCE und Arbeitgebern in den regionalen Tarifbereichen. Im September wechseln beide Seiten zu zentralen Verhandlungen auf die Bundesebene.

Ein TV-Mitschnitt des Events zur Forderungsempfehlung findet sich hier.

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